StepStone.at - Der Channel für Fach- und Führungskräfte im Bereich Finance & Consulting
Detailsuche

Ergebnisse anzeigen

  Ergebnisliste öffnen Ergebnisliste schließen

Der ultimative Job im Finanzwesen - Interview mit einem CFO

Wie kann man sich den Job als Finanzchef vorstellen? Welche Aufgaben beinhaltet er, welche Herausforderungen müssen bewältigt werden und was macht diese Arbeit so interessant? 

Wir haben mit Herrn Perrier, CFO (Chief Financial Officer) bei Electrabel gesprochen. Electrabel ist ein Unternehmen von GDF SUEZ, einem internationalen Industrie- und Dienstleistungskonzern, der im Energie- und Umweltsektor tätig ist.
Herr Perrier hat uns in einem Interview interessante Details von seiner Karriere als CFO erzählt und die einen oder anderen Karrieretipps für das Finanzwesen verraten.

Was haben Sie studiert, um Finanzchef zu werden, und über welche Stufen hat Ihre Karriereleiter Sie zu dieser Position geführt?
Ich habe Finanzen, Unternehmenscontrolling und Strategie an der Universität Paris-Dauphine in Paris studiert. Danach bekam ich die Chance, als Controller in Südostasien zu arbeiten. Seitdem bin ich in meiner Laufbahn viel herumgekommen: Ich war zuerst 4 1/2 Jahre in Südostasien, dann 4 Jahre in den USA, danach 3 Jahre in Paris, anschließend 4 Jahre in Spanien und jetzt bin ich seit 4 Jahren in Belgien tätig. In meiner Laufbahn habe ich sowohl im Finanzwesen als auch im betriebswirtschaftlichen Bereich gearbeitet, und meine Tätigkeiten umfassten eine Mischung aus Aufgaben in der Konzernleitung und operatives Business.


Nach Belgien kam ich im Jahr 2009, um für Electrabel zu arbeiten. Zuerst arbeitete ich knapp 3 Jahre lang im Stromerzeugungsgeschäft bzw. Produktionsgeschäft von Electrabel. Zu meinen Aufgaben gehörte nicht nur die Leitung der Finanzabteilung, sondern ich war auch für die IT und für das Qualitätsmanagement zuständig. Während dieser Zeit lernte ich das Geschäft wirklich gründlich von innen kennen. Danach wurde ich zum CFO ernannt. Seit eineinhalb Jahren bin ich jetzt schon als CFO für Electrabel tätig.

Worin besteht die Tätigkeit eines CFO?
Der Finanzchef arbeitet vor allem dem CEO (Chief Executive Officer, Vorstandschef) zu. Er muss dafür sorgen, dass sich die Geschäfte des Unternehmens im Rahmen der gesetzten Ziele und der definierten Strategie entwickeln. Als Finanzchef muss man den Vorstandschef und die Leiter der Geschäftsbereiche laufend beraten und informieren. Aber die Beratungsaufgaben beschränken sich nicht nur auf die Zahlen. Der Finanzchef ist auch für die Unternehmensführung zuständig, da er zum Vorstand gehört.

Welche äußeren Trends wirken sich auf die Finanzabteilung aus?
Regulierung spielt eine bedeutende Rolle. In der Finanzwelt ist es daher ungemein wichtig, dass man mit der Entwicklung der Regulierungsvorschriften ständig Schritt hält. Im Versorgungsgeschäft sind wir sehr stark abhängig von allen Änderungen der Regulierungsvorschriften.  Davon abgesehen ist es auch fundamental wichtig, dass wir die Entwicklung der Rechnungslegungsstandards genau verfolgen. Denn wir müssen gewährleisten, dass alle aktiven Maßnahmen ergriffen werden, um den Konzern für die Auswirkungen der Standards auf den Rechnungsabschluss vorzubereiten.
Und die Performance des Unternehmens muss der Finanzchef ebenfalls genau im Auge haben. Jeder positive oder negative Einfluss der äußeren Welt auf das Unternehmen betrifft auch die Rolle des Finanzchefs. Unsere Geschäftstätigkeit bei Electrabel kann von Regulierungsvorschriften, Umweltauflagen, dem Wettbewerb und vor allem den Energiepreisen beeinflusst werden.

Ist es schwierig, Bewerber mit den gewünschten Qualifikationen zu finden?
Ja. Ich finde es recht schwierig, die richtigen Leute zu finden, weil unser Versorgungsgeschäft ziemlich komplex ist und sehr vielfältige Qualifikationen erfordert. Um effizient arbeiten zu können, muss man die gesamte Versorgungskette genau kennen. Darum fördere ich ein Finanz-Traineeprogramm, bei dem ich junge Leute mit Finanzhintergrund anwerbe und ihnen ein 2-jähriges Training anbiete. Im Zuge dieses Programms wechseln die Trainees alle 6 Monate die Position. Für die Trainees werden konkrete Ziele und Projekte geplant. Dadurch haben die Trainees am Ende des Programms allgemeine Kenntnisse über die meisten Aktivitäten des Konzerns. Wenn sie dann ihre erste richtige Stelle im Unternehmen antreten, sind sie in der Lage, Risiken und Probleme zu innerhalb des Geschäfts richtig einzuschätzen.


Haben die Finanzfachleute in Ihrem Unternehmen die Möglichkeit, verschiedene Rollen zu bekleiden?
In der Finanzabteilung haben wir viele verschiedene Positionen. Ich halte es für ideal, wenn die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nach Möglichkeit verschiedene Rollen durchlaufen, damit sie alle Aspekte der Finanzen kennenlernen.


In der Finanzabteilung werden Rechnungslegungs- und Konzernkonsolidierungsaufgaben durchgeführt, die hochgradig fachspezifisch sind, und wir haben mit Transaktionen zu tun, die sehr viel Erfahrung erfordern. Dann gibt es die Finanzierungs- und Steueraktivitäten. Für beides ist eine genaue Kenntnis der Vorschriften des jeweiligen Landes und des Geschäftsmodells erforderlich. Und dann ist da noch das Controlling. Es ist das Kernstück der Finanztätigkeit und beschäftigt sich mit den Angelegenheiten des Unternehmens. Im Controlling wird die Performance des Unternehmens analysiert und bewertet, und es geht darum, geeignete Informationen frühzeitig an die Geschäftsleitung zu leiten, damit sie die richtigen Entscheidungen treffen kann.

Was begeistert Sie an Ihrer Tätigkeit als Finanzexperte?
Am Ende gehen alle Aktivitäten des Unternehmens in den Rechnungsabschluss ein. Das bedeutet, dass man Zugang zu allen Aspekten des Unternehmens hat und dass man mit den meisten Entscheidungsträgern in Kontakt ist.
Und wenn man seine Arbeit gut macht und gute Analysen liefert, gewinnt man das Vertrauen des Unternehmens, das man berät und fordert. Für mich ist das der spannendste Teil: dass ich in der Lage bin, das Unternehmen zu fordern, um die Performance des Unternehmens und des Konzerns zu steigern.

Was würden Sie Menschen raten, die eine Finanzkarriere anstreben?
Erstens: Sie sollten versuchen, in einem Konzern bzw. Unternehmen möglichst viel herumzukommen, wenn sie ihre jeweilige Funktion beherrschen. Dabei sollten sie versuchen, sowohl die Geschäftstätigkeit als auch die Konzernfinanzen gründlich kennenzulernen. Für die erfolgreiche Tätigkeit als Finanzfachkraft lohnt es sich auf jeden Fall, sich mit den Anforderungen des Konzerns vertraut zu machen. Man muss lernen, wie die Finanzen im Konzern wirklich ticken.
Zweitens würde ich dazu raten, viel Zeit damit zu verbringen, das Geschäft kennenzulernen. Denn letztendlich geht es bei unserer Finanztätigkeit darum, die Vorgänge im Unternehmen in Zahlen zu übersetzen. Und wenn Sie das Geschäft nicht verstehen, werden Sie seine Performance niemals bewerten können und Sie werden das Unternehmen niemals fordern können, um bessere Ergebnisse zu erzielen.

Würde Sie eine Finanzkarriere wie die von Herrn Perrier auch reizen? Dann durchsuchen Sie unsere Stellenangebote für Finanzfachkräfte.